An Trump sind wir alle schuld

Autor: Max Klose


Viele Menschen waren von Donald Trumps Wahlsieg geschockt. Ich war es ebenfalls. Wie viele habe ich auch geglaubt, erst einmal im Amt wird er weichere Töne anschlagen. Damit lagen wir falsch. Aber wer sind wir eigentlich – diese Leute die kopfschüttelnd und entsetzt dastehen und sich fragen an welchem Punkt das alles schiefgegangen ist? Wir sind leider diejenigen, die eine große Mitschuld an der derzeitigen politischen Lage in der westlichen Welt tragen.

 

Unsere politischen Überzeugungen lassen uns an demokratischen Grundprinzipien festhalten. Wir glauben an Selbstbestimmung und an Toleranz gegenüber allen Ethnien und Religionen. Für uns ist soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung nicht nur von Mann und Frau, sondern auch von allen individuellen Gender-Zugehörigkeiten selbstverständlich. Wir glauben an die Weltgemeinschaft. Zwar macht die globalisierte Wirtschaft vielen Angst, aber eine globale Partnerschaft halten wir für unabdinglich. Wählen ist uns wichtig, ob unsere Stimme nun den Ausschlag gibt oder nicht. Uns alle ärgert das politische Establishment hin und wieder, aber zumeist halten wir es doch für die beste Form der sozialen Organisation. Genauso hoch halten wir das Gut des kritischen und freien Journalismus. Wir haben uns einen Katalog an Meinungen geschaffen, den wir für wahrheitsgetreu und verlässlich halten. Die Zukunft unserer Umwelt liegt uns ebenfalls am Herzen – den einen mehr, den anderen weniger. Unterm Strich sind wir aber alle der Überzeugung, dass unsere Ideale der beste Weg für die Zukunft des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenlebens sind.

 

In all dieser Überzeugung haben wir einen gravierenden Fehler gemacht: Wir haben es versäumt zuzuhören. Zu lange haben wir all diejenigen ignoriert, die sich besorgt über unsere Wertevorstellungen geäußert haben. In der Überzeugung das diese Vorstellungen mehrheitsfähig sind, haben wir denen die sie nicht teilen das Etikett „extrem“ angeheftet. Wer jedoch als extrem bezeichnet wird, fängt schnell an sich nicht mehr als Teil der Gruppe zu fühlen. Er oder sie sieht sich plötzlich nicht mehr an die Konventionen gebunden, welche von unserem Wertesystem akzeptiert werden. Das führt zwangsläufig zu Meinungsäußerungen und Handlungen die außerhalb unseres Verständnisses des Annehmbaren liegen. Ob unser Handeln nun von Arroganz oder Naivität geprägt war sei dahingestellt. Das Resultat bleibt das gleiche. Ob in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder den Niederlanden – die Überhörten, die „Extremen“, lassen uns spüren, dass Sie mehr sind als wir ursprünglich dachten.

 

Soll das nun bedeuten, dass wir falschlagen? Sind unsere Werte nicht die richtigen? Doch! Davon bin ich überzeugt. Wir haben sie nur völlig falsch kommuniziert. Anstatt sie als ultimative Wahrheiten zu deklarieren, hätten wir sie als Ziele formulieren müssen. Wir hätten andere Meinungen in Betracht ziehen und Sorgen ernstnehmen sollen, anstatt sie als antiquiert zu übergehen. Denn Werte sollten auf Konsens basieren, nicht auf Dominanz. Wenn wir also wollen, dass unsere Werte geteilt werden, müssen wir auf andere zugehen und sie davon überzeugen anstatt sie zu indoktrinieren. Der Wille zur Verhandlung ist der Grundstein der Demokratie. Leider haben wir uns beschämend undemokratisch verhalten.

 

Wie also von nun an verfahren? Wir müssen weiterhin deutlich machen, dass wir unsere Werte hochhalten und dass wir gewisse Meinungen und Handlungen dies- und jenseits des Atlantik nicht gutheißen können. Wir können aber nicht erwarten, dass Verhandlungen grundsätzlich auf Basis dieser Werte geführt werden, wenn die Gegenseite sie nicht vertritt. Im Umkehrschluss bedeutet das, wir müssen uns den Mitteln der Realpolitik bedienen. Wenn wir auf unserem Standpunkt verharren, erreichen wir damit nur, dass er mit zunehmender Ablehnung begutachtet wird. Ob es uns gefällt oder nicht, wir haben uns so lange vor Zugeständnissen gewehrt, dass wir sie jetzt nicht mehr umgehen können. Die Selbstverständlichkeit der Demokratie wie wir sie verstehen hat ein Ende. Unser Ziel muss es sein, sie in kleinen Schritten wiederherzustellen.


In unserem neuen Blog The #45 Blog  diskutieren Mitglieder die Auswirkungen der Präsidentschaft auf die transatlantischen Beziehungen. Die Initiative junger Transatlantiker versteht sich dabei als Forum, um verschiedene Meinungen unserer Mitglieder darzustellen.

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