Die Startup-Szene im Transatlantischen Dialog. Wohin führt der Weg?

Veranstaltung am 26.10. in Berlin

Beim Thema Startups ist das Silicon Valley oft das erste Schlagwort, das einem in den Sinn kommt. Kanadische und deutschen Unternehmen fallen oft ungerechtfertigt durch das Aufmerksamkeitsraster – ungerechtfertigt, weil auch hier lebhafte Startup-Szenen auf dem Vormarsch sind. In Städten wir Toronto, Vancouver und Berlin ist das Venture Capital-Volumen zwar geringer, doch auch der Wettbewerb ist überschaubarer, die Infrastrukturen regionaler. Der Wettbewerb darum, das „nächste große Ding“ ins Leben zu rufen, schlägt in einem anderen Takt.

Das ist bereits der erste Punkt, in dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Podiumsdiskussion zum Thema Startups in Deutschland und Kanada nicht ganz einig sind. Amber Riedl erinnere sich durchaus an Termine, bei denen Berliner Investoren sich unter enormen Zeitdruck die Pitches junger Unternehmer anhören. Wer während des fünfminütigen Termins nicht überzeugt, sei raus. Die Kanadierin selbst ist mit ihrer 2013 in Berlin gegründeten Online Plattform Makerist inzwischen so erfolgreich, dass es die Website nun auch auf Englisch und Französisch gibt.

In der vorangegangenen Keynote Speech hat Ryan Grant Little sowohl die finanziellen als auch kulturellen Besonderheiten Kanadas herausgestrichen. Ryan leitet mittlerweile in Deutschland seine eigene Strategieberatung, nachdem er in Toronto mehrere Unternehmen ins Leben gerufen und bei der BMW Stiftung Herbert Quandt Strategien für die Social Finance- und Social Entrepreneurship-Abteilungen entwickelt hat. Finanziell stehe Kanada etwas besser da als Deutschland, sei jedoch weit von Niveau der US-Szene entfernt. Diese Dynamik lasse sich auch in der kulturellen Akzeptanz des Gründens und eventuell auch des Scheiterns erkennen. Die Risikotoleranz der Kanadier sei zwar niedriger als das der US-Amerikaner, deutlich höher jedoch als das der Deutschen. Es spricht Bände, dass die englischen Wörter für debt und guilt im Deutschen mit demselben Wort übersetzt werden. Ein entscheidender Vorteil des Wirtschaftsstandortes Kanada sei die niedrige Körperschaftssteuer. Derzeit liege der Steuersatz in Kanada 15% unter dem der Vereinigten Staaten, obgleich die Republikanische Steuerreform diese Differenz ausgleichen könnte [zum Zeitpunkt der Veranstaltung lag der Gesetzesentwurf noch nicht vor].

Thomas Andersen, selbstständiger Gründungsberater und Coach, betont anschließend neue Arbeitsformen sowohl als Chance für Gründerinnen und Gründer, aber auch als gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Als Vorstandsmitglied beim Deutschen Crowdsourcing Verband hat er im letzten Jahr an der Erstellung eines Code of Conduct für die aufstrebende Crowd Economy mitgewirkt, um die Rechte und Pflichten der Arbeitenden zu bestimmen, die von der staatlichen Regulierung konservativer Arbeitsverhältnisse unberührt sind.

Ein Punkt, in dem sich alle einig sind, ist die Bedeutung des Netzwerkens. Das stellt auch Christina Arend immer wieder fest, die bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg nichtfinanzielle Gründungsinitiativen betreut. Neben der Suche nach Investoren sei auch der Zugang zu Beratungsangeboten und zum Austausch ein entscheidender Faktor für das Gelingen einer Unternehmensgründung.

Mit Dima Kwascha ist auch ein IjT-Mitglied auf dem Panel vertreten. Dima engagiert sich neben seinem Studium und der Mitarbeit am Gründerwettbewerb Funpreneur im Wirtschaftsdepartment der IjT. In die Diskussion lässt er außerdem seine Erfahrung als ehemaliger Mitarbeiter von Uber Deutschland miteinfließen.

Wir bedanken uns rechtherzlich bei der Botschaft von Kanada und der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft für die Kooperation. Vielen Dank auch an David Wojahn, der die Diskussion moderiert hat, sowie alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Fotos: Uwe Reisner