Exploring the Heartland – Das war der Study Trip 2019

Vierzehn Tage. Fünf Städte. Vier Staaten. Das war der Study Trip 2019 – Exploring the Heartland! Von Washington, DC ausgehend hat unsere Gruppe die Region des Rust Belt kennengelernt und dabei in Pittsburgh, Cleveland, Toledo und Detroit Halt gemacht. Neben unterschiedlichen Schwerpunkten an den einzelnen Halten unserer Reise stellten sich auch die Städte selbst mit ihren individuellen Herausforderungen und Herangehensweisen jeweils als interessant und besuchenswert dar.

Im Zentrum der Macht – Washington, DC

Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten übt auf Besucher wie Bewohner eine Faszination aus – Grund dafür ist nicht zuletzt, dass nahezu jeder Ort, jede Straße mit dem politischen Tagesgeschehen verbunden ist, das nie langweilig scheint. Das gilt natürlich umso mehr während der Amtszeit eines US-Präsidenten, dessen Handeln durch Twitter eine neue und bisher nicht gewohnte Sichtbarkeit erreicht hat. Wie aber geht man mit der Herausforderung einer aus deutscher Sicht ganz anderen Politik um, die auch Konflikte auslösende Themen wie etwa das nur zaghafte Verfolgen verteidigungspolitischer Ziele regelmäßig thematisiert?

Aus deutscher Sicht bot sich das Jahr der deutsch-amerikanischen Freundschaft unter dem Motto „Wunderbar Together“ an, um mit US-Amerikanern in allen Bundesstaaten – auch Alaska und Hawaii – in Kontakt zu treten. Gemeinsam mit dem Goethe-Institut in Washington, DC haben wir uns etwa über dieses seit dem 03. Oktober 2018 in Durchführung befindliche Projekt unterhalten, das hunderte Veranstaltungen umfasste. Mit dabei übrigens auch die Initiative junger Transatlantiker, die sich an der Deutschlandwoche in Chicago im Mai beteiligte.

Tagespolitik stand etwa im Gespräch mit den Senatorinnen Jacky Rosen und Catherine Cortez Masto (beide D-NV) im Vordergrund. Beim Frühstück im US-Kongress erzählten die beiden, wie Politik im Zeitalter des Internets funktionieren kann und soll – interessant waren diese Einblicke insbesondere, da Sen. Rosen im Jahr 2018 als einzige Demokratin gegen einen republikanischen Amtsinhaber gewann.

Politik gestern und heute – zu Besuch bei George C. Marshall

Wie Politik in früheren Jahrzehnten aussah und wer die handelnden Akteure waren, lässt sich in zahllosen Büchern nachlesen. Wie aber können wichtige Akteure und ihre Entscheidungen noch greifbarer gemacht werden? Und wer ist denn ein wichtiger Akteur? Aus deutscher Sicht gibt es wenige US-amerikanische Politiker, deren Handeln die deutsch-amerikanischen Beziehungen wie auch die jüngere Geschichte Deutschlands so nachhaltig beeinflusst haben wie George C. Marshall. Der General, der später Außen- und Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten werden sollte, prägte mit dem nach ihm benannten Marshallplan nicht nur den Wiederaufbau Europas, sondern stellte auch wichtige Weichen in einer Welt, die ob der erstarkenden Bedrohung des Kommunismus gar wieder aus den Angeln gehoben zu werden drohte.

Einer Einladung des George C. Marshall International Center folgend begab sich unsere Gruppe nach Leesburg, VA, wo das Andenken an George C. Marshall in seinem Anwesen aufrechterhalten wird und der Mensch hinter den Entscheidungen, die die Welt so beeinflussten, begreifbar wird. Ein Blick auf das geradezu bescheiden anmutende Leben des ersten modernen General of the Army macht deutlich, wie bescheiden dieser lebte und welche zentrale Rolle das Dienen in seinem Leben spielte – den Streitkräften, den Vereinigten Staaten und schließlich auch der Welt.

Steel City erfindet sich neu – Pittsburgh, PA

Einst das Zentrum der US-amerikanischen Industrie und die Stadt mit der drittgrößten Anzahl an Angestellten in den Zentralen großer Unternehmen nach New York City und Chicago, war Pittsburgh das Opfer eines tiefen Falls, der mit dem zunehmenden Abzug herstellender und verarbeitender Betriebe einherging. Doch während sich Pittsburgh einerseits im Zentrum des Rust Belt befindet, befindet sich die Stadt seit Jahren wieder im Aufschwung. Heute ist Pittsburgh nicht nur eine der lebenswertesten Städte der Vereinigten Staaten – die Stadt bietet zudem wieder zahlreichen Unternehmen, die die Welt mit ihren Innovationen aufrütteln, eine Heimstatt.

Eine zunehmend starke Rolle spielt dabei die German American Chamber of Commerce, die deutsche Unternehmen in der Region repräsentiert. Das Team der GACC Pittsburgh empfing unsere Gruppe, um mit uns nicht nur über die Arbeit einer Außenhandelskammer zu sprechen, sondern auch, um ein eigenes Projekt vorzustellen, welches in den Vereinigten Staaten sehr wohlwollend aufgenommen wird: Gemeinsam mit mehreren Unternehmen bietet die GACC jungen Menschen die Möglichkeit, eine Lehre nach deutschem Modell zu absolvieren und auch einen entsprechenden Lehrabschluss zu erwerben.

Vor welchen Herausforderungen Pittsburgh und Pennsylvania als Bundesstaat stehen, entzog sich jedoch lange dem Blick der Öffentlichkeit. Erst die Präsidentschaftswahlen 2016 rückten die Region in den Mittelpunkt, als Pennsylvania mit einem mehrheitlich republikanischen Votum die Wahlnacht entschied. Wie dieser Erfolg vor Ort möglich war und welche politischen Themen Stadt und Land bewegen, erfuhren wir im Gespräch mit der Republican Party of Allegheny County – im Zentrum der Fragen unserer Gruppe stand dabei, ob und wie auch 2020 ein Sieg der Republikaner in dieser Gegend gelingen kann. Zudem wurde deutlich, wie sehr US-amerikanische Politik – allen Eindrücken aus Washington entgegenstehend – von engagierten Bürgern lebt, die pünktlich zum Präsidentschaftswahlkampf aus einem ruhigen Parteibüro eine Wahlkampfzentrale machen, die einem Kandidaten den Weg ins Weiße Haus ebnen kann.

Die Region im Blick

Cleveland, Toledo und Detroit könnten unterschiedlicher nicht sein – umso mehr ein Grund, sich die Städte anzusehen, die noch auf ihre eigenen Reiseführer warten. Warum das so ist, machten etwa Blicke auf Toledo deutlich und ein Lokalaugenschein im örtlichen Strafgericht. Zugleich ermöglichte uns ein Gespräch mit Ohio State Representative Steve Hambley einen Blick auf die Geschichte der Region – ganz nebenbei konnten so Vergleiche zwischen deutscher und US-amerikanischer Landespolitik gezogen werden, was für unsere Gruppe besonders lehrreich war.

Den Abschluss unserer Reise bildete schließlich ein Besuch in Detroit, einer Stadt, die sich nach ihrem jahrzehntelangen Abschwung ebenso wie Pittsburgh neu erfunden hat. Neben horrenden Parkgebühren bleibt das reiche historische Erbe der Stadt in Erinnerung, deren einstiger Reichtum sich auch in der Architektur von Downtown Detroit niederschlug. Nach einem kurzen Abstecher in das benachbarte Windsor, ON auf der anderen Seite der US-amerikanisch-kanadischen Grenze ging es am 21. September für die Gruppe wieder zurück nach Europa.